Schon länger diskutiert, soll abkommenden Montag den 15.03.10 bis voraussichtlich April wieder ein Lok- bespannter Zug mit einer Diesellokomotive der Baureihe 218 und zwei Bn- wagen, so genannten “Silberlingen“, zum Einsatz auf der Relation Remagen – Dernau kommen. Grund darzu wäre fehlende Reservefahrzeuge für zu wartende Talente der Baureige VT643. Dies führt ja seit einiger Zeit bereits zum Einzsatz von NRW und Südphalz Fahrzeugen im Ahrtal.
Von der ehemaligen Erzbahn über die Strategische, Unvollendeten zum Regierungsbunker- Museum.
Erklärung des MEF:Der nachfolgende Text erhebt keinen Anspruch auf absolute, inhaltliche Richtigkeit und wissenschaftlich fundierte Recherche. Besonders die jeweiligen Datums- und Zeitabschnittsangaben werden in unterschiedlichen Quellen sehr unterschiedlich dargestellt. Dem MEF kommt es hier mehr darauf an dem interessierten Leser soweit wie möglich die Bedeutung dieser einmaligen Bahnstrecke etwas näher zu bringen und das Hintergrundwissen zu vermitteln, warum der MEF diese Thematik auf der neuen Modulanlage ‚Bad Neuenahr-Ahrweiler en Miniature’ aufnehmen möchte.
Über korrigierende bzw. ergänzende, quellenfundierte Hinweise sind wir sehr dankbar. Von der Erzbahn über die Strategische zur Unvollendeten und letztendlich zum Museum
Vom Anfang bis zum Ende des letzten Jahrhunderts bildete aus militärhistorischer Sicht immer ein Bauwerk die Ausgangsbasis für weitreichende, militärpolitische Entscheidungen; die sog. ‚Erzbahn’ in den steilen Weinberghängen oberhalb von Ahrweiler, aus der dann im weiteren Verlauf der Geschichte ‚die Strategische’ und letztendlich ‚die Unvollendete‘ und letztendlich ein ‚Museum’ wurde. Selbst zu Beginn des 21. Jahrhunderts erlangte diese Bahnstrecke wieder weltweite Berühmtheit; beherbergt sie doch heute ein Relikt aus der Zeit des ‚Kalten Krieges’ und des ‚Eisernen Vorhanges’ - Das Regierungsbunkermuseum -.
Die Anfänge – die Erzbahn
Das zu Anfang des 20. Jahrhunderts zum deutschen Kaiserreich gehörende Elsaß-Lothringen verfügte über reiche Eisenerzvorkommen. In Deutschland hatte sich bereits im ausklingenden 19 Jahrhundert ein großes Industriegebiet mit weiterverarbeitender Schwerindustrie im Ruhrgebiet etabliert. Der Aufbau einer zweiten Schwerindustrieregion in Elsaß-Lothringen schien besonders aus militärtaktischen Überlegungen nicht sinnvoll. Somit gab es bereits 1905 erste Überlegungen und 1910 entschied man sich dann zum Bau einer separaten Schwergüterzugtransportstrecke, die das Eisenerz aus Elsaß-Lothringen zu den Hochöfen im Ruhrgebiet transportieren sollte.
Es entstand die Planung einer ganz neuen Strecke, die westlich von Köln kommend über die damals dünn besiedelte Region Liblar, Rheinbach, Grafschaft und dann oberhalb von Ahrweiler sanft ins Ahrtal führt und weiter durch die Eifel über Trier Elsaß-Lothringen anbinden sollte.
1912 wurde mit dem Bau der Erzbahn begonnen. Doch spielte zu diesem Zeitpunkt das Eisenerz in Elsaß-Lothringen für den Bau der Strecke bereits eine untergeordnete Bedeutung. Durch Generalfeldmarschall Schlieffen rückte die Erzbahn ins Interesse der Militärs.
Der Bunker Querschnitt Rückbau
Der Bunker Rückbau
Der Bunker Seitentunnel
Die Bunker THW Nutzung 1956 1958
Die Strategische
Schlieffen erkannte die Bedeutung dieser Strecke für seinen ‚Schlieffenplan’ im Kriegsfall mit Frankreich die Entscheidung im Westen in einer Umfassungsschlacht herbeiführen zu wollen. Die Nutzung der Erzbahn für schnelle und besonders schwere Militärtransporte war für seinen Aufmarschplan von unschätzbarem Wert. Aus der 'Erzbahn' wurde die 'Strategische'. Mit dem Einbinden in den Schlieffenplan wurde auch eine Anbindung an die rechtsrheinische Bahnlinie als schnelle Truppenversorgungsmöglichkeit aus Zentral- und Ostdeutschland eingeplant. Das berühmteste Bauwerk dieser Anbindung an die Erzbahn ist die 'Ludendorff-Brücke' über den Rhein bei Remagen vor der Erpeler Ley – besser bekannt und weltweit berühmt unter der Bezeichnung die 'Brücke von Remagen'.
Noch heute sind die Bahndämme dieses rein militärischen Teilstückes der Strategischen von Grafschaft-Ringen in südöstliche Richtung von der Hauptstrecke abzweigend bis hinter Nierendorf sowie die Brückenpfeiler der Remagener Brücke und der Tunnel ‚Erpeler Ley’ mit seinem Zubringerbahndamm an die rechtsrheinische Bahnlinie vorhanden.
Nach dem ersten Weltkrieg war das Rheinland durch die Amerikaner besetzt, die den Weiterbau der neuen Bahnlinie durch die Eifel genehmigten, allerdings nur noch eingleisig. Die Notwendigkeit der rechtsrheinischen Anbindung wurde durch die Amerikaner jedoch nicht mehr gesehen, da diese ausschließlich aus militärischen und nicht wirtschaftlichen Überlegungen heraus geplant war. Für diesen Teilbereich erfolgte ein genereller Baustopp. Das fehlende Teilstück von Nierendorf zur Ludendorffbrücke bei Remagen wurde so erst gar nicht mehr in Angriff genommen. Die bereits fertig gestellte Ludendorffbrücke wurde in das bestehende rechts- und linksrheinische Bahnnetz integriert und diente als Anbindung in das Ahrtal. Erst 1928, unter französischer Besatzung, wurde der Weiterbau der ges. Eisenbahnstrecke endgültig eingestellt.
Die Unvollendete
Zu diesem Zeitpunkt war die Strecke, bis auf das Adenbachtalviadukt bei Ahrweiler, fertig. Dieses war bereits eingeschalt und mit der Betongießung sollte in Kürze begonnen werden. Elsaß-Lothringen gehörte mittlerweile zu Frankreich und somit war die ursprüngliche Zielplanung als Erzbahn aus Sicht der Franzosen überflüssig geworden. Eine militärische Bedeutung hatte die Strecke schon lange nicht mehr und wirtschaftlich spielte sie auch keine Rolle mehr, da die Erschließung der Eifelregion durch andere Bahnlinien bereits vollzogen war. Aus der ehemaligen 'Erzbahn' und der militärisch bedeutungsvollen 'Strategischen' wurde die nie in Betrieb genommene 'Unvollendete'.
In den 1930er Jahren nutzte man dann das besondere Klima in den Tunnelanlagen zwischen Ahrweiler und Dernau für die Champignonzucht, die ihre Produkte weltweit auf den Markt brachte.
Champignomzucht in der 30er Jahre
Vor Beginn des II. Weltkrieges suchte die deutsche Rüstungsindustrie geeignete Stellen für eine sichere Rüstungsproduktion; hierzu kamen dann auch die Tunnelanlagen der Unvollendeten in Betracht. In 1943 wurden im Dernauer Tunnel von KZ-Häftlingen aus dem KZ Buchenwald Bauteile der V2-Elektrowagen hergestellt. Das Buchenwaldaußenlager bei Marienthal nannte man 'Lager Rebstock'. Mitte 1944 wurde die Rüstungsproduktion jedoch an andere Stellen im Reich verlagert, da durch die steigende Intensität der alliierten Luftangriffe auf die Ver- und Entsorgungslinien der Reichsrüstungsindustrie auch die Tunnelanlage und die Ahrbahnstrecke in den Fokus der Luftangriffe gekommen ist. Die ebenfalls in Ende 1944 / Anfang 1945 geplante Verlegung der Endfertigung der V1 in die Tunnelanlagen im Ahrtal, konnte ihre Produktion jedoch durch die näher rückende Westfront nicht mehr voll aufnehmen. Das Gefangenen-Arbeitsbarackenlager ‚Rebstock-Stephan’ wurde oberhalb von Dernau auf dem Bahndamm der ‚Unvollendeten’ errichtet.
Noch heute werden durch den Kampfmittelräumdienst aus Koblenz viele Blindgänger der alliierten Bombenangriffe in den Wäldern rund um diese nie vollendeten Bahnstrecke entschärft.
Bei den Luftangriffen Ende 1944 und Anfang 1945 suchten über 2500 Bürger der Stadt Ahrweiler allein im Tunnel 'Silberberg' Schutz und lebten dort in einfachen Bretterverschlägen, die aber alle logistischen Bereiche und Dienstleistungen, von der Schule über eine Krankenabteilung bis hin zur Stadtverwaltung, Pfarramt und Kirche aufnahmen – der ‚Stadt im Berg’.
Auch im Tunnel Dernau suchte die Dernauer Bevölkerung Schutz, doch brach hier eine verheerende Typhus-Epidemie aus, der viele Menschen zum Opfer fielen.
Die Vergessene – Die Streng Geheime
Nach dem II. Weltkrieg nutzte das neuaufgestellte THW das Gelände der Tunnelanlagen zu Übungszwecken bevor 1958 die Franzosen als erneute Besatzer die Tunneleingänge endgültig sprengten und eine weitere Nutzung der gesamten Anlage nicht mehr möglich war.
Gleichzeitig fiel 1958 in der neu entstandenen Bundesrepublik Deutschland die Entscheidung zum Bau eines atomsicheren Regierungsbunkers in der Nähe zur Bundeshauptstadt Bonn. Man erinnerte sich an die Tunnelanlagen der Unvollendeten und begann ab 1958 unter der Tarnung 'THW-Übungsgebiet' mit dem gewaltigen Bau des Ausweichsitzes der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland. Bis heute stellt dieses Bauwerk das größte und teuerste (Kosten können nur geschätzt werden) öffentliche Bauwerk der Bundesrepublik dar. Die Geheimhaltung zum Projekt Regierungsbunker ging sogar soweit, dass ab 1958 im ges. öffentlichen Kartenmaterial die bis zu diesem Zeitpunkt noch eingezeichnete ‚Unvollendete’ mit ihren Tunnelanlagen gelöscht und bei Neuauflagen / Neudrucken nicht mehr eingetragen wurde.
Die Museumsanlage
Mit Beendigung des 'Kalten Krieges' und der Wiedervereinigung Deutschlands hatte auch der Regierungsbunker seine Pflicht und Schuldigkeit getan und so wurde 1997 die Aufgabe der Anlage und der Verkauf beschlossen. Doch wer kauft den größten Safe der Welt, der jährlich fast 11 Mio DM allein für Unterhaltungskosten verschlingt? Ideen gab es viele, doch konnten letztendlich keine in die Tat umgesetzt werden. Somit entschied man sich 1999 zum vollständigen Rückbau der Anlage, zur Entkernung und anschließender Versiegelung.
Erst 2004 hat sich der Kreis Ahrweiler darauf besonnen, welche Bedeutung die Bunkeranlage für den Kreis, aber auch für ganz Deutschland hatte. Zusammen mit dem 'Haus der Deutschen Geschichte' in Bonn hat man dann einen Weg und finanzielle Mittel gefunden, ein ca. 200m langes Teilstück der Anlage zu erhalten und in einer Art Rückrückbau wieder in den Originalzustand zu versetzen. In 2007 wurde das Bunkermuseum eröffnet und gehört heute zu den meistfrequentierten Museen in Rheinland-Pfalz.
Resümee einer der bedeutendsten deutschen Bahnstrecken im 20. Jahrhundert, auf der nie ein Zug gefahren ist
Von der ersten Planung in 1905 fand die Bahnlinie der Erzbahn, der Strategischen und Unvollendeten, dann letztendlich 1999 ihre endgültige Bestimmung und hat somit ein ganzes Jahrhundert im Ahrtal die militärpolitischen Entscheidungen eines Kaiserreiches, einer Diktatur und letztlich einer Demokratie mit entscheidend beeinflusst. Die Spuren dieser einmaligen Bahnstrecke sind bis heute noch überall zu sehen und nach wie vor existent. Das größte Teilstück bildet heute die Autobahn A 61 zwischen Köln-Neuss und Grafschaft-Bölingen. Die Autobahnbauer nutzen die für den schweren Güterzugbetrieb bereits gebaute Bahntrasse auf der ganzen Länge von Neuss bis Bölingen. Bahnhofsanlagen stehen heute noch entlang der Autobahn und sind in Privatbesitz.
Die ehemalige Bahnstrecke verläuft dann weiter durch Grafschaft-Ringen, wo erst vor wenigen Jahrzehnten die Brücke über die Hauptstraße in Ringen aus verkehrstechnischen Gründen abgerissen wurde und ein Teilstück des Bahndammes dem heutigen Grafschafter Einkaufszentrum weichen musste. Südlich von Ringen ist der Damm jedoch noch voll erhalten und verläuft in einem südwestlichen Bogen in Richtung Ahrtal. Nachdem die Kettinger Tonwerke zwischen Lantershofen und Ringen ihre Tonabbaugrube erweitern mussten, fiel der durch diesen Bereich verlaufende Bahndamm den Tonabbaubaggern auf einigen 100 Metern zum Opfer. Dies sind, bis auf die Brücke von Remagen, bis heute die einzigen Rückbauten bzw. Abtragungen auf der gesamten und bis auf das Adenbachviadukt bereits komplett fertig gestellten Strecke.
Südlich der Tonwerke setzt die alte Trasse dann aber wieder ungestört ihren nie genutzten Weg weiter fort. Oberhalb von Lantershofen verläuft sie durch eine tiefe, heute zugewachsene Schlucht weiter zum Bahndamm in den Weinbergshängen oberhalb von Ahrweiler - heute Teil des Rotweinwanderweges. Teilweise ist der ehemalige Bahndamm hier mit Weinbergen bepflanzt und kurz vor dem Adenbachviadukt steht sogar die neue Weinbergskapelle mitten auf den ursprünglichen Bahngleisen.
Es folgt der einzige, nicht fertig gestellte Bauabschnitt, das Adenbachtalviadukt mit dem anschließenden Silberbergtunnel, in dem die Bevölkerung vor den Luftangriffen Schutz suchte. Das an diese ahrweiler Zeitepoche erinnernde Freilichtmuseum 'Stadt im Berg' wurde erst 2003 hergerichtet.
Es folgt nun die Fünfer-Tunnelanlage bis nach Dernau mit dem heutigen Regierungsbunker-museum. Der kleine Herrenbergtunnel zwischen Rech und Dernau dient heute den örtlichen Dorffestvereinen als große Werkstatt für den Bau und die Lagerung der schönen Festzugwagen.
Auch mit ungeübtem Geländeblick kann man dann von oberhalb Dernau bis hinter Altenahr und Kreuzberg die Spuren der Unvollendeten in der Landschaft immer wieder leicht erkennen.
Wiederbelebung im Maßstab 1:87
Auf der neuen Modulanlage des MEF ‚Bad Neuenahr-Ahrweiler en Miniature’ soll diese Strecke, zumindest im Bereich Ahrweiler, wieder zum Leben erweckt werden – im Maßstab 1:87,. Das Adenbachtalviadukt mit seinem imposanten Brückenpfeilern, sowie der Eingang zum Silberbergtunnel mit dem Freilichtmuseum ‚Stadt im Berg’ sollen neben dem Eingangsbereich zum Regierungsbunkermuseum auf dieser Modulanlage für den Betrachter im Maßstab 1:87 neu entstehen und so an diese interessante Eisenbahngeschichte im Ahrtal erinnern.
heute Haupteingang Regeringsbunkermuseum
Unterhalb Haupteingang Museum
alter Westeingang- heute Haupteingang Museum Regierungsbunker
Osteingang Silberbergtunnel Heimatmuseum Stadt im berg