1. Eisenbahnschienen wieder entlang der Ahrweiler Stadtmauer (siehe auch unter Clubanlagen - Die neue Modulanlage Bad Neuenahr- Ahrweiler en Miniature )
Der interessierte Leser wird bei dieser Überschrift zu recht erschrocken aufhorchen. Das bullige Niedertor, fester Bestandteil der altehrwürdigen Befestigungsanlage von Ahrweiler und ein Bollwerk gegen die permanente Bedrohung aus dem Osten aus vergangen Tagen klirrender Waffengänge, erfreut sich nach wie vor trotziger Robustheit. So gibt es auch keinen einzigen Grund dieses Bauwerk baulich zu verändern, zu renovieren bzw. restaurieren oder gar abzureißen und ganz neu wieder aufzubauen. Die Vorgaben der UNO bzgl. ‚Weltkulturerbe’ sind auch nach wie vor erfüllt und baufällig ist das alte Stadttor erst recht nicht. Auch gibt es bereits seit 1910 keine Eisenbahnschienen mehr unmittelbar entlang der Ahrweiler Stadtmauer. Eine Umlegung der DB-Eisenbahnlinie, wieder zurück ins Stadtgebiet, ist nirgends bekannt und wurde nie öffentlich diskutiert – hier hätte es doch auf jeden Fall eine Bürgerbefragung oder sogar Bürgerinitiativen gegeben. Somit gehört diese Überschriftankündigung doch sicherlich in die Kategorie ‚Hirngespinst’. Da der November für einen Aprilscherz nicht der richtige Zeitpunkt ist, dürfte auch diese Möglichkeit unzutreffend erscheinen.
Aber trotzdem, die Überschrift ist keineswegs der Phantasie des Schreibers entsprungen, sondern entspricht der Realität, der unumstößlichen Wahrheit. Wie das? Tatsächlich gibt es sogar eine Art Bürgerinitiative, die sich an die Öffentlichkeit wendet, um dieser Wahrheit Gehör zu verschaffen und ein Gesicht zu geben. Diese Wahrheit ist in keinen Bauämtern der Kreis- und Stadtverwaltung oder in den Baudezernaten der DB-Bezirksdirektion zu finden.
Und dennoch wird sie gerade in diesen Tagen Realität – Realität im Maßstab 1 : 87 im Clubkeller der Modelleisenbahnfreunde Bad Neuenahr-Ahrweiler (MEF).
In der MEF-Bastelwerkstatt im Clubheim im Keller des Neuenahrer Bahnhofs entsteht derzeit eine neue Modulanlage für Ausstellungen. Die alte Modulanlage des MEF war in die Jahre gekommen, hatte bereits viele Schönheitsoperationen über sich ergehen lassen müssen und war dem heimischen Modellbahnpublikum bereits bestens bekannt. Somit entschied sich der MEF eine neue Modulanlage zu bauen. Als gemeinnütziger Verein der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler wurde nun in einer Art MEF-Bürgerinitiative überlegt, wie man ein Stück Heimatgeschichte und Verbundenheit zur Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler auf der neuen Modulanlage verwirklichen könnte. Dem heimischen Betrachter sollte in Form eines Anschauungsunterrichtes am Objekt im Maßstab 1:87 ein Stück Heimatge-schichte vermittelt werden, wodurch der MEF seiner Gemeinnützigkeit in besonderer Weise nachkommen würde. Es sollte aber auch eine Kombination von dargestellter Geschichte und Neuzeit in Einklang gebracht werden mit einem interessanten Modellbahnfahr-betrieb – keine einfache Aufgabe, die sich der MEF hier selber gestellt hatte. Evtl in Frage kommende Baudenkmäler – z.B. Stadtmauer mit ihren Toren, aber auch das Stadtbild prägende Bauten und Plätze mussten, wenn möglich, auf den jeweiligen Modulen so zusammengefügt werden, dass sie in der Kombination nicht als wild zusammengewürfelte Objekte wirken, sondern sich in Harmonie in das Gesamtkonzept der Modulanlage einpassen. Nachdem die Kreissparkasse Ahrweiler und die Firma Container Geller dem MEF eine stattliche Spende haben zukommen lassen und der MEF sich Gedanken machte bzgl. einer entsprechenden Dankeswürdigung, war die Gestaltungsidee für das erste, von insgesamt sechs Modulen, geboren. Thema der modularen Heimatgeschichte im Maßstab 1:87 sollte die große Straßenkreuzung bilden – Friedrichstraße / Wilhelmstraße / Bossardstraße / Niederhutstraße mit der Hauptgeschäftsstelle der Kreissparkasse Ahrweiler, einem Firmengelände von Container Geller und dem gewaltigen Niedertor –markante Objekte der Heimatgeschichte aus ganz unterschiedlichen Epochen. Ein perfektes und ideales Gestaltungskonzept war geboren. Erfüllte diese Gestaltungsmöglichkeit schon allein die selbst gesetzten Anspruchsforderungen des MEF, so zwang sich eine weitere, hochinteressante heimatgeschichtliche Epochaldarstellung auf diesem Modul förmlich auf, die der zukünftige Betrachter aber auf den ersten Blick, im Gegensatz zum Niedertor der Kreissparkasse, nicht erkennen wird. Während zwischen Niedertor und Kreissparkasse in Wirklichkeit der Straßenverkehr dominiert, wird diese dominante Stellung auf der Modulanlage natürlich jetzt die Eisenbahn einnehmen. Die Verlegung von Eisenbahnschienen vor die Ahrweiler Stadtmauer erscheint sicherlich als totale Verrücktheit des MEF, ist sie aber keineswegs, auch nicht im Maßstab 1:87. Die Geschichte der Stadt Ahrweiler ist eng an den Vormarsch und Siegeszug der Eisenbahn im 19. und 20. Jahrhundert, denen sich im Aufbau befindlichen Länderbahnen und der im 20. Jahrhundert entstehenden Reichsbahn angeknüpft. Nicht nur die riesigen Brückenpfeiler im Adenbachtal sowie die Tunnelanlagen und Trassenführung der ehemaligen ‚Erzbahn’-Eisenbahnlinie durch die Weinberge oberhalb Ahrweilers haben das Landschaftsbild unserer Heimat verändert und geprägt. Auch die ‚ganz normale’ Eisenbahn hat ihre Spuren aus der Eisenbahngründerzeit überall in Ahrweiler und im Ahrtal hinterlassen. Welcher Ahrweiler Bürger kann sich denn noch daran erinnern bzw. weiß, dass quer über den heutigen Ahrtorparkplatz vor dem gewaltigen Ahrtor aus Richtung heutiger Friedrichsstraße kommend Dampflokomotiven dampften und mit ihren Zügen zwischen dem Flussbett der Ahr und der Dr. von Ehrenwallschen Klinik weiter in Richtung Walporzheim zockelten? Viele bauliche Zeitzeugen dieser heimatlichen Eisenbahnepoche sind noch vorhanden, doch leider haben wir vergessen sie als solche zu erkennen. Warum steht denn das alte Hauptgebäude des Ahrweiler Bahnhofs, heute Geschäftsstelle der Caritas, so merkwürdig schief zur eigentlichen Eisenbahnstrecke entlang der Weinberge – hatten die Erbauer zuviel Ahrrotwein genossen? Und wieso steht in Walporzheim, am Ortseingang, gleich neben dem Firmenhaus Brogsitter, einsam und von jeder Eisenbahnstrecke verlassen das alte Gebäude des Walporzheimer Bahnhofs, obwohl doch die Bahnlinie weitab an den Weinberghängen vorbei verläuft und dazu auch noch einige Meter höher liegt als der alte Bahnhof – hier hatten die Erbauer offensichtlich nun doch zuviel Rotwein im Blut? So finden wir mit offenen Augen noch etliche Zeugen der alten Eisenbahntrassenführung aus dem Kaiserreich. (Hierzu und zur Gesamtthematik der Eisenbahn in und um Bad Neuenahr-Ahrweiler, wird der MEF in Zusammenarbeit mit der Redaktion in unterschiedlichen Abständen eine eigene Berichtserie starten und dazu die passenden Module der neuen Modulmodellanlage präsentieren). Erst durch den zweigleisigen Ausbau der Ahrtalbahn und im Zuge der Trassenumverlegung zwischen Mayschoß und Laach wurde dann in den Jahren 1910-1912 auch die alte Eisenbahntrasse entlang der Ahrweiler Stadtmauer entfernt und die neue Trasse im weiten Bogen um die Stadt herum entlang der Weinberge ahraufwärts geführt. Der alte Streckenverlauf, besonders bei der Dr von Ehrenwallschen Klinik, war für die Aufnahme eines zweiten Gleises nicht geeignet. Da man den schönen Ahrweiler Bahnhof ja nicht, wie auf der Modelleisenbahn, einfach hochheben und um einige Winkelgrade verdrehen und an den neuen Streckenverlauf ausrichten konnte, steht er eben seitdem ‚schief’ zur Bahnlinie und die ‚Deplatzierung’ des alten Walporzheimer Bahnhofs ist nicht das Produkt der ‚Roten Weinteufel’, sondern das Ergebnis der Verlegung der Eisenbahnlinie auf die heutige Trasse im Jahre 1912.
Diese interessante Ahrweiler Eisenbahngeschichte wird der MEF nun ebenfalls auf seinem ersten neuen Modul eindrucksvoll festhalten, indem der Bereich zwischen dem Niedertor und der Hauptgeschäftsstelle der Kreissparkasse nicht dem Straßenverkehr sondern dem Eisenbahnverkehr, wie in vergangenen Kaiserzeiten, Raum bietet. in ‚spielerischer’ Symbiose werden so auf dem ersten Modelleisenbahnmodul des MEF unterschiedliche Objekte bzw. bauliche Verkehrs- und Infrastrukturmaßnahmen aus ganz unterschiedlichen Zeitepochen der Kreisstadt miteinander verbunden. Somit wird der MEF der Bürgerschaft ein gelungenes Konzept im Sinne seiner Verpflichtung zur Gemeinnützigkeit präsentieren, dessen Realisierung im Maßstab 1:87 durch die ‚Bürgerinitiative MEF’ bereits in Angriff genommen wurde (siehe Bilder). Nach Auswertung unzähliger Fotografien des Sparkassengebäudes und des Niedertors aus allen möglichen Winkeln, wurde durch den Fachwart des MEF, Werner Becker, ein gelungener Bauplan im Maßstab 1:87 angefertigt. Dieser machte zwar bauliche Kompromisse unumgänglich, um das Gesamtkonzept der neuen Modulanlage nicht aus den Augen zu verlieren (auch wären die Gebäude im realistischen Maßstab 1:87 nicht darstellbar), doch für den Betrachter dürften diese kaum ins Gewicht fallen.
Ach ja, auf dem Modul stehen entlang der Bahnstrecke vor der Modellaltstadtmauer einige Wohnhäuser, wie man sie im Verlauf der Niederhutstraße finden kann und welche im Parterre über großzügige Ladenlokale mit großen Doppelschaufenstern verfügen. Auch hier wurde, ganz im Sinne der Schaffensfreiheit von Baumeister Werner Becker, z.B. das Geschäftsgebäude aus der Niederhutstr. 7 von Herrn Fritz Ott (Haushalts-, Eisen- und Spielwaren Böcker Ott), direkt neben das Niedertor, jedoch auf einen Bereich außerhalb der Stadtmauer, verlegt. Im Schaufenster des Modellspiel-warenladens von Herrn Ott findet man sogar eine aufgebaute Modelleisenbahn, genau so, wie im echten Schaufenster von Herrn Ott zur Weihnachtszeit. Auch Container Geller wird nichts dagegen haben, dass sich ihr Firmengelände zwar in unmittelbarer Nähe zum Niedertor und zur Kreissparkasse befindet, aber eben nicht innerhalb, sondern außerhalb der Stadtmauer und endlich auch über ein eigenes Anschlussgleis verfügt, für das innerhalb der Stadtmauer bisher nun wirklich kein Platz war.
Die noch freien Ladenlokale können selbstverständlich durch weitere Modellgeschäftskunden ‚angemietet’ werden. Der MEF sucht hierzu noch interessierte ‚Mieter’, denen, vergleichbar mit der Kreissparkasse, Container Geller oder Spielwaren Fritz Ott, der MEF für eingegangene Spenden zur Unterstützung des gemeinnützigen Modulanlagenbaus gerne ein kleines ‚Modellbahnerinnerungsdenkmal’ setzen würde.
Weiterhin suchen wir Fotografien, Postkarten, Bilder etc., von der ehemaligen Eisenbahnstrecke bis 1910/12 zwischen Walporzheim und dem Bahnhof Ahrweiler - natürlich auf Leihgabebasis. Bei der Präsentation des neuen Moduls – voraussichtlich zur jährlichen Modellbahnausstellung des MEF zu Palmsonntag 2009 im Gemeindesaal St. Pius – möchten wir ergänzend auch eine Bilderausstellung dieser ehemaligen und einmaligen Eisenbahnlinie quer durch das heutige Stadtgebiet präsentieren, um dem Betrachter hierdurch den besseren Bezug zur dargestellten Thematik auf der Modulanlage zu ermöglichen.
Das nächste Modul ist bereits konzeptionell ausgeplant und verspricht eine interessante Darstellung der Ahrtaleisenbahngeschichte auf der Modulanlage des MEF im Maßstab 1:87 – kleiner Tipp, lesen Sie weiter den Generalanzeiger und achten sie auf Brückenpfeiler, die keine Brücke tragen!
Für entsprechende Anregungen / Ideen bzgl. der Themengestaltung auf den weiteren Modulen sind wir ebenfalls sehr dankbar. Interessenten bitte unter Tel.:02641/36134. Wer sich gerne mal über den Baufortschritt der einzelnen Module informieren oder sogar mitbasteln möchte, ist herzlich gerne zu unseren Clubabenden jeden Dienstag ab 20:00Uhr im Keller des Bahnhofs Bad Neuenahr (linker Seiteneingang) eingeladen oder informiert sich auf unserer neu entstehenden Internetseite www.mef-aw.de
Kartenausschnitt Ahrweiler um 1910. Deutlich ist der Verlauf der Bahnstrecke vor dem Ahrtor entlang der Ahr zu erkennen
2. Von der ehemaligen Erzbahn über die Strategische, Unvollendeten zum Regierungsbunker- Museum. (siehe auch unter Clubanlagen - Die neue Modulanlage Bad Neuenahr-Ahrweiler en Miniature)
Erklärung des MEF:Der nachfolgende Text erhebt keinen Anspruch auf absolute, inhaltliche Richtigkeit und wissenschaftlich fundierte Recherche. Besonders die jeweiligen Datums- und Zeitabschnittsangaben werden in unterschiedlichen Quellen sehr unterschiedlich dargestellt. Dem MEF kommt es hier mehr darauf an dem interessierten Leser soweit wie möglich die Bedeutung dieser einmaligen Bahnstrecke etwas näher zu bringen und das Hintergrundwissen zu vermitteln, warum der MEF diese Thematik auf der neuen Modulanlage ‚Bad Neuenahr-Ahrweiler en Miniature’ aufnehmen möchte.
Über korrigierende bzw. ergänzende, quellenfundierte Hinweise sind wir sehr dankbar. Von der Erzbahn über die Strategische zur Unvollendeten und letztendlich zum Museum
Vom Anfang bis zum Ende des letzten Jahrhunderts bildete aus militärhistorischer Sicht immer ein Bauwerk die Ausgangsbasis für weitreichende, militärpolitische Entscheidungen; die sog. ‚Erzbahn’ in den steilen Weinberghängen oberhalb von Ahrweiler, aus der dann im weiteren Verlauf der Geschichte ‚die Strategische’ und letztendlich ‚die Unvollendete‘ und letztendlich ein ‚Museum’ wurde. Selbst zu Beginn des 21. Jahrhunderts erlangte diese Bahnstrecke wieder weltweite Berühmtheit; beherbergt sie doch heute ein Relikt aus der Zeit des ‚Kalten Krieges’ und des ‚Eisernen Vorhanges’ - Das Regierungsbunkermuseum -.
Die Anfänge – die Erzbahn
Das zu Anfang des 20. Jahrhunderts zum deutschen Kaiserreich gehörende Elsaß-Lothringen verfügte über reiche Eisenerzvorkommen. In Deutschland hatte sich bereits im ausklingenden 19 Jahrhundert ein großes Industriegebiet mit weiterverarbeitender Schwerindustrie im Ruhrgebiet etabliert. Der Aufbau einer zweiten Schwerindustrieregion in Elsaß-Lothringen schien besonders aus militärtaktischen Überlegungen nicht sinnvoll. Somit gab es bereits 1905 erste Überlegungen und 1910 entschied man sich dann zum Bau einer separaten Schwergüterzugtransportstrecke, die das Eisenerz aus Elsaß-Lothringen zu den Hochöfen im Ruhrgebiet transportieren sollte.
Es entstand die Planung einer ganz neuen Strecke, die westlich von Köln kommend über die damals dünn besiedelte Region Liblar, Rheinbach, Grafschaft und dann oberhalb von Ahrweiler sanft ins Ahrtal führt und weiter durch die Eifel über Trier Elsaß-Lothringen anbinden sollte.
1912 wurde mit dem Bau der Erzbahn begonnen. Doch spielte zu diesem Zeitpunkt das Eisenerz in Elsaß-Lothringen für den Bau der Strecke bereits eine untergeordnete Bedeutung. Durch Generalfeldmarschall Schlieffen rückte die Erzbahn ins Interesse der Militärs.
Der Bunker Querschnitt Rückbau
Der Bunker Rückbau
Der Bunker Seitentunnel
Die Bunker THW Nutzung 1956 1958
Die Strategische
Schlieffen erkannte die Bedeutung dieser Strecke für seinen ‚Schlieffenplan’ im Kriegsfall mit Frankreich die Entscheidung im Westen in einer Umfassungsschlacht herbeiführen zu wollen. Die Nutzung der Erzbahn für schnelle und besonders schwere Militärtransporte war für seinen Aufmarschplan von unschätzbarem Wert. Aus der 'Erzbahn' wurde die 'Strategische'. Mit dem Einbinden in den Schlieffenplan wurde auch eine Anbindung an die rechtsrheinische Bahnlinie als schnelle Truppenversorgungsmöglichkeit aus Zentral- und Ostdeutschland eingeplant. Das berühmteste Bauwerk dieser Anbindung an die Erzbahn ist die 'Ludendorff-Brücke' über den Rhein bei Remagen vor der Erpeler Ley – besser bekannt und weltweit berühmt unter der Bezeichnung die 'Brücke von Remagen'.
Noch heute sind die Bahndämme dieses rein militärischen Teilstückes der Strategischen von Grafschaft-Ringen in südöstliche Richtung von der Hauptstrecke abzweigend bis hinter Nierendorf sowie die Brückenpfeiler der Remagener Brücke und der Tunnel ‚Erpeler Ley’ mit seinem Zubringerbahndamm an die rechtsrheinische Bahnlinie vorhanden.
Nach dem ersten Weltkrieg war das Rheinland durch die Amerikaner besetzt, die den Weiterbau der neuen Bahnlinie durch die Eifel genehmigten, allerdings nur noch eingleisig. Die Notwendigkeit der rechtsrheinischen Anbindung wurde durch die Amerikaner jedoch nicht mehr gesehen, da diese ausschließlich aus militärischen und nicht wirtschaftlichen Überlegungen heraus geplant war. Für diesen Teilbereich erfolgte ein genereller Baustopp. Das fehlende Teilstück von Nierendorf zur Ludendorffbrücke bei Remagen wurde so erst gar nicht mehr in Angriff genommen. Die bereits fertig gestellte Ludendorffbrücke wurde in das bestehende rechts- und linksrheinische Bahnnetz integriert und diente als Anbindung in das Ahrtal. Erst 1928, unter französischer Besatzung, wurde der Weiterbau der ges. Eisenbahnstrecke endgültig eingestellt.
Die Unvollendete
Zu diesem Zeitpunkt war die Strecke, bis auf das Adenbachtalviadukt bei Ahrweiler, fertig. Dieses war bereits eingeschalt und mit der Betongießung sollte in Kürze begonnen werden. Elsaß-Lothringen gehörte mittlerweile zu Frankreich und somit war die ursprüngliche Zielplanung als Erzbahn aus Sicht der Franzosen überflüssig geworden. Eine militärische Bedeutung hatte die Strecke schon lange nicht mehr und wirtschaftlich spielte sie auch keine Rolle mehr, da die Erschließung der Eifelregion durch andere Bahnlinien bereits vollzogen war. Aus der ehemaligen 'Erzbahn' und der militärisch bedeutungsvollen 'Strategischen' wurde die nie in Betrieb genommene 'Unvollendete'.
In den 1930er Jahren nutzte man dann das besondere Klima in den Tunnelanlagen zwischen Ahrweiler und Dernau für die Champignonzucht, die ihre Produkte weltweit auf den Markt brachte.
Champignomzucht in der 30er Jahre
Vor Beginn des II. Weltkrieges suchte die deutsche Rüstungsindustrie geeignete Stellen für eine sichere Rüstungsproduktion; hierzu kamen dann auch die Tunnelanlagen der Unvollendeten in Betracht. In 1943 wurden im Dernauer Tunnel von KZ-Häftlingen aus dem KZ Buchenwald Bauteile der V2-Elektrowagen hergestellt. Das Buchenwaldaußenlager bei Marienthal nannte man 'Lager Rebstock'. Mitte 1944 wurde die Rüstungsproduktion jedoch an andere Stellen im Reich verlagert, da durch die steigende Intensität der alliierten Luftangriffe auf die Ver- und Entsorgungslinien der Reichsrüstungsindustrie auch die Tunnelanlage und die Ahrbahnstrecke in den Fokus der Luftangriffe gekommen ist. Die ebenfalls in Ende 1944 / Anfang 1945 geplante Verlegung der Endfertigung der V1 in die Tunnelanlagen im Ahrtal, konnte ihre Produktion jedoch durch die näher rückende Westfront nicht mehr voll aufnehmen. Das Gefangenen-Arbeitsbarackenlager ‚Rebstock-Stephan’ wurde oberhalb von Dernau auf dem Bahndamm der ‚Unvollendeten’ errichtet.
Noch heute werden durch den Kampfmittelräumdienst aus Koblenz viele Blindgänger der alliierten Bombenangriffe in den Wäldern rund um diese nie vollendeten Bahnstrecke entschärft.
Bei den Luftangriffen Ende 1944 und Anfang 1945 suchten über 2500 Bürger der Stadt Ahrweiler allein im Tunnel 'Silberberg' Schutz und lebten dort in einfachen Bretterverschlägen, die aber alle logistischen Bereiche und Dienstleistungen, von der Schule über eine Krankenabteilung bis hin zur Stadtverwaltung, Pfarramt und Kirche aufnahmen – der ‚Stadt im Berg’.
Auch im Tunnel Dernau suchte die Dernauer Bevölkerung Schutz, doch brach hier eine verheerende Typhus-Epidemie aus, der viele Menschen zum Opfer fielen.
Die Vergessene – Die Streng Geheime
Nach dem II. Weltkrieg nutzte das neuaufgestellte THW das Gelände der Tunnelanlagen zu Übungszwecken bevor 1958 die Franzosen als erneute Besatzer die Tunneleingänge endgültig sprengten und eine weitere Nutzung der gesamten Anlage nicht mehr möglich war.
Gleichzeitig fiel 1958 in der neu entstandenen Bundesrepublik Deutschland die Entscheidung zum Bau eines atomsicheren Regierungsbunkers in der Nähe zur Bundeshauptstadt Bonn. Man erinnerte sich an die Tunnelanlagen der Unvollendeten und begann ab 1958 unter der Tarnung 'THW-Übungsgebiet' mit dem gewaltigen Bau des Ausweichsitzes der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland. Bis heute stellt dieses Bauwerk das größte und teuerste (Kosten können nur geschätzt werden) öffentliche Bauwerk der Bundesrepublik dar. Die Geheimhaltung zum Projekt Regierungsbunker ging sogar soweit, dass ab 1958 im ges. öffentlichen Kartenmaterial die bis zu diesem Zeitpunkt noch eingezeichnete ‚Unvollendete’ mit ihren Tunnelanlagen gelöscht und bei Neuauflagen / Neudrucken nicht mehr eingetragen wurde.
Die Museumsanlage
Mit Beendigung des 'Kalten Krieges' und der Wiedervereinigung Deutschlands hatte auch der Regierungsbunker seine Pflicht und Schuldigkeit getan und so wurde 1997 die Aufgabe der Anlage und der Verkauf beschlossen. Doch wer kauft den größten Safe der Welt, der jährlich fast 11 Mio DM allein für Unterhaltungskosten verschlingt? Ideen gab es viele, doch konnten letztendlich keine in die Tat umgesetzt werden. Somit entschied man sich 1999 zum vollständigen Rückbau der Anlage, zur Entkernung und anschließender Versiegelung.
Erst 2004 hat sich der Kreis Ahrweiler darauf besonnen, welche Bedeutung die Bunkeranlage für den Kreis, aber auch für ganz Deutschland hatte. Zusammen mit dem 'Haus der Deutschen Geschichte' in Bonn hat man dann einen Weg und finanzielle Mittel gefunden, ein ca. 200m langes Teilstück der Anlage zu erhalten und in einer Art Rückrückbau wieder in den Originalzustand zu versetzen. In 2007 wurde das Bunkermuseum eröffnet und gehört heute zu den meistfrequentierten Museen in Rheinland-Pfalz.
Resümee einer der bedeutendsten deutschen Bahnstrecken im 20. Jahrhundert, auf der nie ein Zug gefahren ist
Von der ersten Planung in 1905 fand die Bahnlinie der Erzbahn, der Strategischen und Unvollendeten, dann letztendlich 1999 ihre endgültige Bestimmung und hat somit ein ganzes Jahrhundert im Ahrtal die militärpolitischen Entscheidungen eines Kaiserreiches, einer Diktatur und letztlich einer Demokratie mit entscheidend beeinflusst. Die Spuren dieser einmaligen Bahnstrecke sind bis heute noch überall zu sehen und nach wie vor existent. Das größte Teilstück bildet heute die Autobahn A 61 zwischen Köln-Neuss und Grafschaft-Bölingen. Die Autobahnbauer nutzen die für den schweren Güterzugbetrieb bereits gebaute Bahntrasse auf der ganzen Länge von Neuss bis Bölingen. Bahnhofsanlagen stehen heute noch entlang der Autobahn und sind in Privatbesitz.
Die ehemalige Bahnstrecke verläuft dann weiter durch Grafschaft-Ringen, wo erst vor wenigen Jahrzehnten die Brücke über die Hauptstraße in Ringen aus verkehrstechnischen Gründen abgerissen wurde und ein Teilstück des Bahndammes dem heutigen Grafschafter Einkaufszentrum weichen musste. Südlich von Ringen ist der Damm jedoch noch voll erhalten und verläuft in einem südwestlichen Bogen in Richtung Ahrtal. Nachdem die Kettinger Tonwerke zwischen Lantershofen und Ringen ihre Tonabbaugrube erweitern mussten, fiel der durch diesen Bereich verlaufende Bahndamm den Tonabbaubaggern auf einigen 100 Metern zum Opfer. Dies sind, bis auf die Brücke von Remagen, bis heute die einzigen Rückbauten bzw. Abtragungen auf der gesamten und bis auf das Adenbachviadukt bereits komplett fertig gestellten Strecke.
Südlich der Tonwerke setzt die alte Trasse dann aber wieder ungestört ihren nie genutzten Weg weiter fort. Oberhalb von Lantershofen verläuft sie durch eine tiefe, heute zugewachsene Schlucht weiter zum Bahndamm in den Weinbergshängen oberhalb von Ahrweiler - heute Teil des Rotweinwanderweges. Teilweise ist der ehemalige Bahndamm hier mit Weinbergen bepflanzt und kurz vor dem Adenbachviadukt steht sogar die neue Weinbergskapelle mitten auf den ursprünglichen Bahngleisen.
Es folgt der einzige, nicht fertig gestellte Bauabschnitt, das Adenbachtalviadukt mit dem anschließenden Silberbergtunnel, in dem die Bevölkerung vor den Luftangriffen Schutz suchte. Das an diese ahrweiler Zeitepoche erinnernde Freilichtmuseum 'Stadt im Berg' wurde erst 2003 hergerichtet.
Es folgt nun die Fünfer-Tunnelanlage bis nach Dernau mit dem heutigen Regierungsbunker-museum. Der kleine Herrenbergtunnel zwischen Rech und Dernau dient heute den örtlichen Dorffestvereinen als große Werkstatt für den Bau und die Lagerung der schönen Festzugwagen.
Auch mit ungeübtem Geländeblick kann man dann von oberhalb Dernau bis hinter Altenahr und Kreuzberg die Spuren der Unvollendeten in der Landschaft immer wieder leicht erkennen.
Wiederbelebung im Maßstab 1:87
Auf der neuen Modulanlage des MEF ‚Bad Neuenahr-Ahrweiler en Miniature’ soll diese Strecke, zumindest im Bereich Ahrweiler, wieder zum Leben erweckt werden – im Maßstab 1:87,. Das Adenbachtalviadukt mit seinem imposanten Brückenpfeilern, sowie der Eingang zum Silberbergtunnel mit dem Freilichtmuseum ‚Stadt im Berg’ sollen neben dem Eingangsbereich zum Regierungsbunkermuseum auf dieser Modulanlage für den Betrachter im Maßstab 1:87 neu entstehen und so an diese interessante Eisenbahngeschichte im Ahrtal erinnern.
heute Haupteingang Regeringsbunkermuseum
Unterhalb Haupteingang Museum
alter Westeingang- heute Haupteingang Museum Regierungsbunker
Osteingang Silberbergtunnel Heimatmuseum Stadt im berg